SONDERLAGE 4/5 presents a selection of works by MARTA DJOURINA, CE JIAN und CLAUDIA DE LA TORRE with a special focus on the publishing project BACKBONE BOOKS initiated by Claudia De La Torre in 2011.

In a series of 5 exhibitions presenting each 3 artists and one independent publisher, SONDERLAGE wishes to reply to the changing conditions for art production and the urgency to suggest other forms of mediation, distribution and exhibition making. Therefore and in addition to the physical exhibition space, a digital presentation with 3D viewing rooms and online exclusive shows are proposed. 
Special emphasis is given to the interaction with limited editions and artists' books in the form of a temporary store dedicated to an art publisher. Each exhibition will be extended with the production of limited editions by the participating artists. 

SONDERLAGE are Pierre Granoux, artist—curator, founder and director LAGE EGAL, 
Wayra Schübel, cultural producer and moderator, Sarie Nijboer, curatorial assistance and Michelle Rojkov, project assistance

The exhibition series SONDERLAGE is supported by Stiftung Kunstfonds and NEUSTART KULTUR.
With the kind support of ARTBUTLER Art World Solutions and LE FLÂNEUR

ABOUT THE ARTISTS

Die Künstlerin MARTA DJOURINA setzt sich in ihren Arbeiten, die sich analogen, zumeist kameralosen Fototechniken bedienen, mit Licht in seinen verschiedenen Dimensionen auseinander. Sie untersucht dabei, wie sich die verschiedenen Faktoren Zeit, Raum und Zufall auf den künstlerischen Schaffensprozess auswirken. Ein Charakteristikum ihrer Arbeitsweise ist die Faltung des Fotopapieres und Blindzeichnungen mit Licht. Die Künstlerin verbindet in experimenteller Anordnung Alltagsgegenstände oder gefaltete Objekte, Papier und Licht miteinander und verwendet diese anstatt gängiger Filmnegative als eine Art Filter. Alle ihre Arbeiten sind Unikate. Die derart entstandenen Werke nennt sie Filtergramme. Es entstehen einzigartige, abstrakte und malerische Bilder, die auch den flüchtigen Moment des performativen Akts in Form behutsamer Erzählebenen festhalten.

Marta Djourina (* 1991, Sofia/BG) absolvierte zunächst ihren Bachelor und Master in Kunst- und Bildgeschichte/ Kulturwissenschaften an der HU Berlin (2012), gefolgt von einem Master in Kunstwissenschaft und Technologie an der TU Berlin (2014). Anschließend studierte sie Kunst an der UdK Berlin bei den Professor:innen Pia Fries, Gregory Cumins und Christine Streuli (Abschluss 2018). Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien wie das Eberhard-Roters-Stipendium (2020), das DAAD-Abschlussstipendium (2018), das Karl-Hofer-Projektstipendium (2017), den IBB-Preis für Fotografie (2016). Ihre ersten Einzel- und Gruppenausstellungen präsentierte sie im Goethe Institut Sofia, Bulgarien (2019), CAN Neuchatel (2019), Christine König, Wien (2018), Dorothea Konwiarz Stiftung, Berlin und Künstlerhaus Bethanien, Berlin (2017). Im September 2021 wird Marta Djourina anlässlich der Verleihung des Eberhard-Roters-Stipendiums für junge Kunst 2020 in der Berlinischen Galerie ausstellen.

CE JIAN
Zeitgleich in Berlin und in Beijing werden ihre Werke gezeigt, die sich auf Walter Benjamins unvollendetes Passagen-Werk beziehen. Dieses beschreibt die an Einzelhandelsketten verbundene Kultur des Flanierens und Konsumierens. Gerade in den weltweit aussterbenden Innenstädten erhält Benjamin’s Werk brisante Aktualität, und dient der Künstlerin als Fundgrube an Ideen zu Konsumkultur und deren Vergänglichkeit. Während die Künstlerin in der Beijinger White Space Galerie der Frage nach der Architektur von klassischen Konsumtempeln und deren inhärenten Idealen nachgeht, zeigen die in Berlin ausgestellten Werke aus der Serie Debris einen archäologischen Blick aus der Zukunft in unsere unmittelbare Gegenwart. Ein weltweites Phänomen während der Pandemie ist die Zunahme an Verpackungsmaterial - Güter werden geliefert und damit ein vorpandemisches Nachhaltigkeitsstreben schlagartig über den Haufen geworfen. Der Begriff Debris bezieht sich auf zerriebene Plastikpartikel, und in diesen “Trümmern” bildet Ce Jian die Hinterlassenschaften des Anthopozäns ab. Dabei bedient sie sich formal an Ishihara-Tests für Farbblindheit, um Plastikpartikel darin künstlerisch zu übersetzen - und stellt Fragen zum Unterschied virtueller und realer Existenz, oder von Sichtbarkeit und Codierung. Die virtuellen Modelle von Verpackungsmaterialien entsprechen für die Künstlerin einem platonischen Himmel für alles Weggeworfene. Was wird im Rückblick übrig bleiben und welche Bewertungskriterien liegen diesen Bildern im Rückblick aus einer Zukunft zu Grunde?

Ce Jian (* 1984 in Shangdong/VR China, lebt und arbeitet in Berlin) absolvierte 2008 ihr Studium an der Universität der Künste Berlin in der Meisterklasse von Georg Baselitz, Daniel Richter und Robert Lucander. Außerdem studierte sie Kunstgeschichte und Philosophie an der Humboldt-Universität und der Freien Universität Berlin (Abschluss M.A., 2009) sowie am Goldsmiths College, London. Von 2012-17 war sie Doktorandin in Kunst- und Bildgeschichte an der HU Berlin und promovierte zum Abstraktionsprinzip des fotorealistischen Malers Chuck Close. Ihre Arbeiten wurden in Einzelausstellungen in Berlin, Peking (White Space), Düsseldorf (Galerie Philine Cremer) und Slowenien gezeigt, sowie in Gruppenausstellungen in Europa und Asien

Mit der Wandinstallation ALPINA schafft die Künstlerin CLAUDIA DE LA TORRE für LAGE EGAL orts- und zeitbezogene künstlerische Editionen: Es sind Farbkarten, die auf poetische Weise mit imaginären Bezeichnungen verknüpft werden und ein kognitives Wechselspiel zwischen den Elementen Farbe und Wort hervorrufen. Beim Erwerb einer Karte wird die farbige Fläche von der Künstlerin an einen Ort der Wahl angebracht. Claudia de la Torre gründete 2011 den Verlag backbonebooks und arbeitet damit konsequent in einem flexiblen, konzeptionellen und kollaborativen Prozess. Mit dem Ziel, eine neue Perspektive darauf zu öffnen, was eine Publikation alles sein kann. 

Die in Berlin lebende Künstlerin und Verlegerin Claudia de la Torre (*1986, Mexiko-Stadt) studierte zunächst Bildende Kunst an der ENPEG 'La Esmeralda in Mexiko-Stadt, und hat einen Masterabschluss der Kunstakademie Karlsruhe, Klasse Silvia Bächli. Als freie bildende Künstlerin begreift sie verlegerisches Publizieren als Teil ihrer künstlerischen Praxis. Sie wurde mit mehreren Stipendien und Förderungen ausgezeichnet, darunter das Shannon Michael Cane Fellowship - Printed Matter NYC (2018). National Fund for the Arts (FONCA), México (2017), Kunststiftung Baden-Württemberg (2016), Frida Kahlo Stipendium für Künstlerinnen DAAD, Deutschland (2016) und das Baden-Württemberg-Stipendium (2016). Ihre Arbeiten sind in verschiedenen Sammlungen vertreten, darunter die Thomas J. Watson im Metropolitan Museum of Art (NYC), der Faber Birren Collection of Books on Color - Yale Library, Joan Flasch Künstlerbuch-Sammlung (School of the Art Institute of Chicago) und das MoMa (NYC). Sie nimmt regelmäßig an Buchmessen und Ausstellungen weltweit teil.